Zum Inhalt springen
Kapitel 8 von 8 · Nationalsozialismus

Vergangenheitspolitik in BRD und DDR

Vergangenheitspolitik in BRD und DDR
Holocaust-Mahnmal Berlin, Autor: K. Weisser, Lizenz: CC BY-SA 2.0 DE

Die Vergangenheitspolitik- und bewältigung gehörten zu den größten Herausforderungen der Nachkriegszeit. Einerseits sollten die Verbrechen des Nationalsozialismus aufgearbeitet, bestraft und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Andererseits rückte seit 1945 der Ost/West-Konflikt in den Mittelpunkt, der die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in BRD und DDR zunehmend in den Schatten stellte.

Adolf-Hitler-Straßenschild wird abmontiert, 1945
Ein gemeinsames Ziel der Alliierten war die "Entnazifizierung": Deutschland sollte von der nationalsozialistischen Ideologie befreit werden
Adolf Eichmann
In der BRD war eine Aufarbeitung der NS-Zeit zunächst in den Hintergrund gerückt. Erst durch den "Eichmann-Prozess" in den 1960er Jahren geriet sie zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit
Gedenkstätte Buchenwald
In der DDR diente die Vergangenheitspolitik der Propaganda im Sinne des antifaschistischen Widerstandes zur Zeit der NS-Diktatur (Foto: Gedenkstätte KZ Buchenwald)
Vergangenheitspolitik BRD DDR
Seit 1990 hat sich im geeinten Deutschland eine flächendeckende "Erinnerungskultur" entwickelt (Foto: Holocaust-Mahnmal in Berlin)

Entnazifizierung nach 1945

Die Entnazifizierung gehörte zu den sogenannten 5 Ds der Alliierten auf der Potsdamer Konferenz. In allen vier Besatzungszonen sollten die NS-Kriegsverbrecher strafrechtlich belangt und aus Schlüsselpositionen entfernt werden. In den Nürnberger Prozessen wurden die Hauptkriegsverbrecher vor einen internationalen Militärgerichtshof gestellt und zu Tode verurteilt. Die Entnazifizierung verlief in den jeweiligen Besatzungszonen sehr unterschiedlich. Aufgrund politischer und ideologischer Gegensätze zeichnete sich ein Ost/West-Konflikt ab, der die Entnazifizierung rasch beendete. Die Integration der 1949 gegründeten Teilstaaten BRD und DDR in den West- und Ostblock wurde im Kontext des Kalten Krieges zunehmend relevanter.1

Vergangenheitspolitik in der BRD

Die ersten Jahre der 1949 gegründeten BRD waren geprägt von Verdrängung und dem Blick in die Zukunft. Ein 1949 verabschiedetes Amnestiegesetz entlastete ehemalige Mitschuldige der NS-Zeit und integrierte sie in den demokratischen Staat. In den 1950er Jahren fokussierte sich die Regierung Adenauers auf eine Wiedergutmachung. Diese sah materielle Entschädigungen an ehemalige Opfer des NS-Regimes – darunter auch Israel (Luxemburger Abkommen) – vor. In den 1960er Jahren folgte eine stärkere juristische Aufarbeitung durch eine Zentrale der Landesjustizverwaltungen, die unter anderem die Auschwitz-Prozesse (und Eichmann-Prozess) ermöglichte. Einen Meilenstein bildete die Studentenbewegung der 1960er Jahre, die die moralische Verdrängung der NS-Zeit und die Fortexistenz ehemaliger NS-Verbrecher an Universitäten kritisierte. Als Erinnerungssymbol gilt darüber hinaus Willy Brandts Kniefall vor dem Ehrenmal des Warschauer Ghettos.2

Vergangenheitspolitik in der DDR

Die DDR stellte sich ideologisch in die Nachfolge des antifaschistischen Widerstandes. Sie betrachte die NS-Zeit als zugespitzte Form des Kapitalismus und warf der BRD vor, dass sie ehemalige Nazis in Führungspositionen dulden würde. Daher folgte nach der „antifaschistisch-demokratischen Umwälzung“ auch keine selbstkritische Aufarbeitung und Vergangenheitspolitik. Im Zeichen des Kalten Krieges gehörte die Berufung auf den Antifaschismus zum festen Bestandteil der marxistisch-leninistischen Ideologie (Zwei-Linien-Theorie). Sie bestärkte die DDR-Bürger in ihrer Überzeugung, dass sie keine Mitschuld an den NS-Verbrechen tragen würden. Eine Erinnerungskultur fand daher innerhalb der DDR-Geschichte nicht statt.3

Vergangenheitspolitik seit 1990

Seit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 hat sich im politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs eine flächendeckende Erinnerungskultur entwickelt. Dazu gehören zahlreiche Gedenkstätten und Stiftungen (z.B. Wehrmachtsausstellung, Holocaust-Mahnmal oder Museen), die eine aktive Vergangenheitsbewältigung und Auseinandersetzung mit der NS-Zeit befördern. Vor diesem Hintergrund ist in der neuen Bundesrepublik eine selbstkritischere Haltung in Bezug auf die nationalsozialistische Vergangenheit ermöglicht worden.4

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

Themenpaket als PDF

Das Paket zu Nationalsozialismus

Zusammenfassung, Basiswissencheck und zwei Übungsklausuren mit Erwartungshorizont. Vier PDFs, ein Download.

7,99 €Zwei Klausuren einzeln kosten 11,98 €.

Bald verfügbar

  • ZusammenfassungNationalsozialismusgeschichte kompakt.
  • BasiswissencheckNationalsozialismusgeschichte kompakt.
  • Klausur Sek INationalsozialismusgeschichte kompakt.
  • Klausur OberstufeNationalsozialismusgeschichte kompakt.

Alle Themen auf einmal? Das ALLES-Bundle enthält alle 21 Themenpakete für 34,99 € statt 167,79 € einzeln.

ALLES-Bundle ansehen

Das könnte dich auch interessieren

Verwandte Themen zum Weiterlesen.

Sie unterrichten Nationalsozialismus?

Im Lehrer-Abo sind alle Themenpakete und 220 Arbeitsblätter enthalten, anpassbar an Ihre Lerngruppe.