Zum Inhalt springen
Kapitel 2 von 6 · Industrialisierung

Lösungsansätze zur sozialen Frage

Lösungsansätze zur sozialen Frage
Bild 1: Foto der Delegierten und Gäste unmittelbar vor der Gründung des ADAV am 23. Mai 1863, Lizenz: Gemeinfrei

Vom technischen Fortschritt der Industriellen Revolution konnten längst nicht alle Menschen profitieren. In den Städten breitete sich Massenarmut aus, da es einen Überschuss an lohnabhängigen Arbeitern [Proletariat] gab. Sie lebten am Rande des Existenzminimums, konnten ihre Familien nicht ernähren und verfügten über keine soziale Absicherung. Aufgrund dessen wurden unterschiedliche Lösungsansätze zur sozialen Frage formuliert.

ADAV Mitglieder
Mit dem 1863 gegründeten "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" (ADAV) entstand die erste politische Arbeiterpartei, die über Reformen die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft verbessern wollte. Aus ihr ging 1890 die SPD hervor
Marx und Engels
Karl Marx und Friedrich Engels begründeten in ihrem 1848 verfassten "Kommunistischen Manifest" den Kommunismus als eine sozial gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung
Alfred Krupp
Der Unternehmer Alfred Krupp führte eine betriebliche Sozialversicherung ein und gewährte seinen Arbeitern billigen Wohnraum und Krankenversicherungsschutz. Damit wollte er die Arbeiter an sein Unternehmen binden und sie von Streiks abhalten
Otto von Bismarck, Reichskanzler
Mit der staatlichen Sozialgesetzgebung in den 1880er Jahren versuchte Reichskanzler Bismarck den politischen Forderungen der Arbeiter entgegenzukommen. Auf diese Weise wollte er sie an den Staat binden und von Arbeitervereinen fernhalten
Der katholische Priester Adolph Kolping vertrat einen kirchlichen Lösungsansatz der sozialen Frage. Er begründete die "Kolpinghäuser", in denen Arbeiter eine Unterkunft und Grundversorgung erhielten
Der katholische Priester Adolph Kolping vertrat einen kirchlichen Lösungsansatz der sozialen Frage. Er begründete die "Kolpinghäuser", in denen Arbeiter eine Unterkunft und Grundversorgung erhielten

Arbeiterbewegung

Die elenden Zustände der Arbeiterschaft bewegten viele Arbeiter dazu, selbst politisch aktiv zu werden. Diesbezüglich wurde 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) gegründet, die sich seit 1890 SPD nannte. Zu den berühmtesten Politikern gehörten Ferdinand Lassalle, August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Neben der Partei entstanden zudem zahlreiche Vereine und Gewerkschaften, die die gesamte Arbeiterschaft politisch mobilisieren wollten. Die Gewerkschaften setzten sich für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten ein. Karl Marx und Friedrich Engels entwickelten im 1848 erschienenen „Kommunistische Manifest“ die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung, die soziale Gerechtigkeit betonte. Damit waren der Sozialismus und Kommunismus verbunden.1

Betriebliche Sozialpolitik

Auch die aus dem Bürgertum stammenden Unternehmer entwickelten Lösungsansätze und entschieden sich für eine betriebliche Sozialpolitik. Sie richteten für ihre Arbeiter Pensions- und Krankenkassen ein, bauten Wohnungen und erhöhten die Löhne mit Prämien. Mit diesen sozialen Verbesserungen versuchten die Unternehmer ihre Arbeiter an sich zu binden und von den Aktivitäten der Arbeiterpartei fernzuhalten. Auf diese Weise sollten auch Streiks und Widerstand vermieden werden. Einer der populärsten Vertreter dieser betrieblichen Sozialpolitik war Alfred Krupp.2

Staatliche Sozialversicherung

Auf die gewachsene politische Arbeiterbewegung versuchte in den 1880er Jahren auch der Staat zu reagieren. Im Deutschen Kaiserreich unternahm Reichskanzler Otto von Bismarck eine umfassende Sozialgesetzgebung, mit der er die Arbeiter von politischen Aktivitäten fernzuhalten versuchte. Dazu gehörten die Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884) sowie Invaliden- und Altersversicherung (1889). Auf diese Weise konnten die sozialen Bedingungen der Arbeiter etwas verbessert werden. Dennoch gelang es Bismarck dadurch nicht, die Arbeiterbewegung in Schranken zu halten. Die SPD entwickelte sich im Kaiserreich bis 1914 zur stärksten politischen Fraktion im Reichstag.3

Kirchen

Ebenso versuchten die Kirchen auf die Missstände der Arbeiterschaft zu reagieren. Sowohl die katholische als auch evangelische Kirche boten den Bedürftigen karitative Hilfen an. 1849 gründete Adolph Kolping einen Gesellenverein, der zur Anlaufstelle für junge Arbeiter wurde. In diesen „Kolpinghäusern“ fanden sie eine Unterkunft und soziale Versorgung. Darüber hinaus entwickelte die katholische Kirche eine eigene Soziallehre, die die angewachsene Armut thematisierte. Das bekannteste Werk ist das von Papst Leo XIII. verfasste „Enzyklika Rerum Novarum“ [Quelle]. Darin forderte er für die Arbeiter gerechtere Löhne und befürwortete eine „Rückkehr zu christlichen Werten“, mit denen er die soziale Frage lösen wollte.4

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

Themenpaket als PDF

Das Paket zu Industrialisierung

Zusammenfassung, Basiswissencheck und zwei Übungsklausuren mit Erwartungshorizont. Vier PDFs, ein Download.

7,99 €Zwei Klausuren einzeln kosten 11,98 €.

Bald verfügbar

  • ZusammenfassungIndustrialisierunggeschichte kompakt.
  • BasiswissencheckIndustrialisierunggeschichte kompakt.
  • Klausur Sek IIndustrialisierunggeschichte kompakt.
  • Klausur OberstufeIndustrialisierunggeschichte kompakt.

Alle Themen auf einmal? Das ALLES-Bundle enthält alle 21 Themenpakete für 34,99 € statt 167,79 € einzeln.

ALLES-Bundle ansehen

Das könnte dich auch interessieren

Verwandte Themen zum Weiterlesen.

Sie unterrichten Industrialisierung?

Im Lehrer-Abo sind alle Themenpakete und 220 Arbeitsblätter enthalten, anpassbar an Ihre Lerngruppe.