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Kapitel 1 von 6 · Industrialisierung

Soziale Frage

Industrialisierung, Arbeitsbedingungen in Fabriken
Die Industrialisierung war geprägt von schlechten Arbeitsbedingungen und führte zur "sozialen Frage"

Infolge der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert entstanden neue soziale Probleme, die unmittelbar die Arbeiterschaft betrafen. Sie lebte in den Städten unter miserablen Bedingungen, wurde mit Billiglöhnen ausgebeutet und konnte keine Arbeits- und Sozialversicherung in Anspruch nehmen. Dieses Phänomen wird als soziale Frage bezeichnet.

Industrialisierung Arbeiter
Infolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hatte sich die soziale Lage der Arbeiter erheblich verschlechtert
Industrialisierung, Arbeitsbedingungen in Fabriken
Die Industrialisierung war geprägt von schlechten Arbeitsbedingungen und führte zur "sozialen Frage"
Reichskanzler Otto von Bismarck erließ als Reaktion auf die Forderungen der Arbeiterschaft in den 1880er Jahren eine staatliche Sozialgesetzgebung
Reichskanzler Otto von Bismarck erließ als Reaktion auf die Forderungen der Arbeiterschaft in den 1880er Jahren eine staatliche Sozialgesetzgebung
Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Engels
Im 1848 verfassten "Manifest der Kommunistischen Partei" schrieben Karl Marx und Friedrich Engels ihre Ideen einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nieder. Damit begründeten sie den "Kommunismus"

Ursachen

Der technische Fortschritt der Industriellen Revolution hatte das Leben der Gesellschaft stark verändert. Die wachsende Industrie zog immer mehr Menschen vom Land in die Städte. Ermöglicht wurde dies durch die Preußischen Reformen im Jahr 1807. Sie leiteten die Bauernbefreiung, Gewerbefreiheit und Lockerung der Zunftschranken ein. In den Städten existierte folglich ein Überangebot an lohnabhängigen Arbeitern. Während das Bürgertum von den politischen Reformen profitieren konnte und über die Produktionsmittel verfügte, hatten die Arbeiter lediglich ihre Arbeitskraft anzubieten. Die traditionelle soziale Absicherung der Ständegesellschaft fiel weg. Die Arbeiter waren nun schutzlos dem freien Markt ausgesetzt.1

Arbeitslosigkeit und Pauperismus

Ein grundlegendes Problem der rasant wachsenden Städte kennzeichnete die Wohnungsknappheit. Gerade die unteren Gesellschaftsschichten – wie die Arbeiter – mussten unter erbärmlichen Bedingungen leben. Wohnungen waren für Arbeiter kaum bezahlbar, weil sie von den bürgerlichen Fabrikbesitzern mit Billiglöhnen ausgebeutet wurden. Eine Arbeiterfamilie lebte auf engstem Raum und war oftmals auf Frauen- und Kinderarbeit angewiesen. Noch schlimmer traf es die arbeitslosen Menschen. Eine staatliche Arbeits- und Sozialversicherung gab es noch nicht. In den Städten herrschten Hunger, Krankheiten und Obdachlosigkeit. Dieses Phänomen der Massenarmut wird als „Pauperismus“ bezeichnet.2

Folgen

Für die soziale Frage wurden verschiedene Lösungsansätze entwickelt. In den 1880er Jahren führte Reichskanzler Otto von Bismarck im Deutschen Kaiserreich erstmals eine staatliche Sozialgesetzgebung ein. Sie legte die Grundlagen für den modernen Sozialstaat. Im 1848 erschienenen „Kommunistischen Manifest“ präsentierten die Philosophen Karl Marx und Friedrich Engels ihre Idee einer neuen Gesellschaftsordnung – den Kommunismus. Sie bezeichneten den Konflikt zwischen besitzendem Bürgertum und ausgebeuteter Arbeiterschaft als „Klassenkampf“ zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Diese Vorstellung entwickelte sich zur Programmschrift einer zunehmend politisch aktiven Arbeiterschaft. Es entstanden Arbeitervereine und Gewerkschaften, die Druck auf die Politik ausübten und langfristige Erfolge zur Verbesserung ihrer prekären Lebensverhältnisse erzielen konnten. Hier geht es zum Artikel über Sozialismus und Kommunismus.3

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

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