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Kapitel 1 von 5 · Erster Weltkrieg

Pulverfass Balkan

Pulverfass Balkan
Bild 1: Berliner Kongress 1878, Gemälde von Anton von Werner (1881), Lizenz: Gemeinfrei

Die Konflikte auf dem Balkan waren der entscheidende Wegbereiter für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen Völkern sorgten dafür, dass sich auch die europäischen Großmächte in das Krisengebiet einmischten, weil sie ihre machtpolitischen Interessen vertreten wollten. Die einzelnen Völker strebten nach Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Doch das Eingreifen der Großmächte blieb für Europa nicht ohne Folgen.

Balkankrise

Zwischen 1875 und 1878 erhoben sich einige Völker, die sich der Unterdrückung der osmanischen Vorherrschaft entziehen wollten. Sie bekamen von Russland aufgrund ihrer christlichen und slawischen Kultur Unterstützung. Dies steht im Zusammenhang mit dem sogenannten Panslawismus, ein Versuch zur Einheit aller slawischen Volksstämme. Des Weiteren hatten die Russen geostrategische Interessen am Zugang zum Mittelmeer, für die sie den Panslawismus instrumentalisieren versuchten. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen1.

Bismarck beim Berliner Kongress als "Ehrlicher Makler"
Auf dem Berliner Kongress (1878) konnte die erste Balkankrise gelöst werden, indem Bismarck als "ehrlicher Makler" zwischen den Großmächten Österreich und Russland vermittelte
Der Balkan war der entscheidende Konfliktherd vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs
Der Balkan war der entscheidende Konfliktherd vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Berliner Kongress

1875 widersetzten sich die Völker Bosnien, Herzegowina, Montenegro, Serbien und Bulgarien der osmanischen Herrschaft. Doch deren Truppen konnten den Aufstand zunächst niederschlagen. Russland begründete sein Eingreifen als Schutzmacht der orthodoxen Christen. Somit entbrannte ein Krieg mit dem Osmanischen Reich. Um den Konflikt beizulegen, rief der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck die Großmächte 1878 zum Berliner Kongress. Er vermittelte Frieden und erwies sich als ehrlicher Makler, denn er wollte sein Bündnissystem mit Russland und Österreich aufrechterhalten. Mit dem Vertrag erhielten Rumänien, Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit. Doch die russischen Diplomaten empfanden diese Regelung als Niederlage, weil ihnen der Zugang zum Mittelmeer weiterhin verwehrt blieb2.

Erster Balkankrieg

Im Gegensatz zu Russland konnte Österreich Einfluss auf den Balkan gewinnen. Nachdem die Donaumonarchie 1908 Bosnien annektiert hatte, war ein weiterer Konflikt vorprogrammiert. Der Balkan blieb weiterhin ein Krisenherd, der das Verhältnis europäischer Großmächte zunehmend belastete. Noch immer gab es Widerstände gegen die osmanische Herrschaft. 1912 verbündeten sich Serbien und Bulgarien mit Griechenland. Alle drei Parteien hatten Interesse daran, Gebiete zu gewinnen – und das gelang ihnen. Schnell konnten sie die osmanischen Truppen besiegen. Der Krieg wurde im Londoner Vertrag zwischenzeitlich beendet. Doch schon kurz darauf folgte der Zweite Balkankrieg.

Zweiter Balkankrieg

Durch den Krieg hatte das Osmanische Reich deutlich an Territorium verloren. Frieden zwischen den ethnischen Völkern war aber weiterhin aussichtslos. Im Juni 1913 erklärten die Bulgaren sowohl Serbien als auch Österreich den Krieg, weil sie Teile Makedoniens erhalten wollten. Sie überschätzten aber ihre Kriegsführung und verloren fast alle Gebiete, die sie im Jahr zuvor eingenommen hatten. Unterdessen eroberten die Osmanen Teile ihres Herrschaftsgebietes zurück. Der Vertrag von Konstantinopel beendete die kriegerischen Handlungen3. Aber nun weitete sich der Krieg auf europäischen Boden aus. Weil das Osmanische Reich kurz vor dem Zusammenbruch stand, wollten Österreich und Russland Einfluss auf den Balkan gewinnen. Beide standen sich verschiedenen Bündnissystemen gegenüber. Im Juli 1914 führten diese Spannungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

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Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

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