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Kapitel 3 von 7 · Weimarer Republik

Krisenjahre 1919 – 1923

Krisenjahre 1919 – 1923
Soldaten bei der Verhaftung von Stadträten (1923), Autor/Lizenz: Bundesarchiv, Bild 146-2007-0003 / CC-BY-SA 3.0

Die noch junge Weimarer Republik war zwischen 1919 und 1923 in ihrer Existenz bedroht. Es ereigneten sich links- und rechtsextremistische Putschversuche gegen die Regierung. Die durch den Versailler Vertrag bedingten Reparationszahlungen führten 1923 zu einer Hyperinflation, die das Geld wertlos machte.

Vorgeschichte

Infolge der Novemberrevolution 1918 wurde Deutschland von der Monarchie in eine Republik umgewandelt. Nach der doppelten Ausrufung der Republik kam es zu einem Machtkampf zwischen einem gemäßigten und radikalen Lager. Auf dem Reichsrätekongress entschied sich eine Mehrheit für die Einführung einer parlamentarischen Republik. Aus den Wahlen zur Nationalversammlung ging die „Weimarer Koalition“ als neue Regierung hervor. Im Juni 1919 musste diese bedingungslos den Bestimmungen des Versailler Vertrags zustimmen.1

Spartakusaufstand 1919
Der "Spartakusaufstand" wurde von der SPD-Regierung mithilfe von Freikorps niedergeschlagen
In den Krisenjahren 1919-1923 war die junge Weimarer Republik durch links- und rechtsextreme Putschversuche bedroht
In den Krisenjahren 1919-1923 war die junge Weimarer Republik durch links- und rechtsextreme Putschversuche bedroht
Der verhaftete Adolf Hitler vor Beginn seines "Hochverratsprozess" im Jahr 1924
Der verhaftete Adolf Hitler vor Beginn seines "Hochverratsprozess" im Jahr 1924
Inflation 1923, Notenpresse
Infolge der Notenpresse hatte die Reichsmark im Jahr 1923 ihren Wert als Zahlungsmittel verloren und mündete in eine Inflation

Spartakusaufstand

Im Januar 1919 mündeten Streiks und Demonstrationen in Berlin im sogenannten Spartakusaufstand. Linksradikale Anhänger der USPD und der KPD protestierten gegen die Entlassung des Berliner Polizeipräsidenten Eichhorn. Die Aufstände richteten sich gegen die MSPD-Regierung und das parlamentarische Regierungssystem. Die neue Regierung ließ die Putschisten mithilfe der von General Lüttwitz angeführten Freikorps niederschießen. Bei diesen Ereignissen wurden die Spartakusbund-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet. Die blutige Niederschlagung des Aufstandes führte zur endgültigen Spaltung der Arbeiterbewegung.

Kapp-Lüttwitz-Putsch

Die durch Streiks, Aufstände und Terror geschwächte Weimarer Republik wurde neben Linksradikalen auch von der politischen Rechten gefährdet. Am 13. März 1920 organisierten ehemalige OHL-Mitglieder den sogenannten Kapp-Lüttwitz-Putsch. An diesem Tag marschierte die Freikorpsbrigade Ehrhardt ins Berliner Regierungsviertel ein, um eine Militärdiktatur auszurufen. Die Regierung bat die Reichswehr vergeblich um Schutz. Sie floh nach Stuttgart und rief zum Generalstreik auf. Nach vier Tagen war der Putsch aufgrund mangelnder Unterstützung beendet. Er zeigte jedoch, dass die Reichswehr nationalistisch und antidemokratisch eingestellt war.2

Aufstand der Roten Ruhrarmee

Der während des Kapp-Lüttwitz-Putschs ausgerufene Generalstreik ließ die linksradikalen Anhänger erstarken. Im März 1920 organisierten sie sich zur sogenannten „Roten Ruhrarmee“ und übernahmen vielerorts die politische Macht. Die Regierung konnte sich in diesem Fall auf die Unterstützung der Reichswehr und Freikorps verlassen, die die „Rote Ruhrarmee“ blutig niederschlugen. Dass die Regierung nun mit rechtsnationalen Putschisten zusammenarbeitete, offenbarte die Schwäche der Weimarer Republik. Auch in der Justiz fielen die Urteile gegenüber der politischen Rechten – im Vergleich zu den Linksradikalen – eher milde aus. Auf der Reichstagswahl vom 6. Juni 1920 brach die „Weimarer Koalition“ zusammen.3

Ruhrbesetzung und Hyperinflation

Seit dem 1919 unterzeichneten Versailler Vertrag musste Deutschland den Siegermächten hohe Reparationszahlungen leisten. Diese lösten im Jahr 1923 eine Hyperinflation aus. Da die Regierung die hohen Beträge nicht mehr zahlen konnte, marschierten im Januar 1923 französische und belgische Truppen im Ruhrgebiet ein. Die Regierung rief während der Ruhrbesetzung zum passiven Widerstand auf. Die dadurch verursachten Generalstreiks führten zu Produktionsausfällen, die wiederum eine Hyperinflation auslösten. Erst durch die im November eingeführte Währungsreform und den US-amerikanischen Dawes-Plan konnte sich die wirtschaftliche Situation relativ stabilisieren.4

Hitler-Ludendorff-Putsch

Am Abend des 8. November 1923 ereignete sich in Bayern der Hitler-Ludendorff-Putsch. Er richtete sich gegen die Regierung der Weimarer Republik. Wegen der Unterzeichnung des Versailler Vertrags wurden die Demokraten als „Erfüllungspolitiker“ diffamiert. NSDAP-Parteiführer Adolf Hitler ließ das Gebäude des Münchner Bürgerbräukeller mithilfe von SA-Truppen umstellen. Nach einem Pistolenschuss rief er die „nationale Revolution“ aus und erklärte die Berliner Reichsregierung für abgesetzt. Ein geplanter „Marsch auf Berlin“ wurde allerdings am folgenden Tag von der Bayerischen Landespolizei gestoppt. Hitler erhielt eine fünfjährige Haftstrafe, durfte das Gefängnis aber – wegen „guter Führung“ – bereits nach wenigen Monaten verlassen.5

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

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