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Kapitel 1 von 6 · Restauration und Vormärz

Napoleonische Kriege

Napoleonische Kriege
Bild 1: Napoleon bei der Schlacht von Friedland, 19. Jhd., Lizenz: Gemeinfrei

Die Napoleonischen Kriege exportierten die Ideen der Französischen Revolution nach Europa. Napoleon Bonaparte ließ die von ihm besetzten Gebiete modernisieren. Vor allem der deutschsprachige Raum veränderte sich dadurch grundlegend. Der Widerstand gegen die französische Besatzung bewirkte außerdem das Entstehen eines deutschen Nationalbewusstseins.

General Napoleon Bonaparte beherrschte mit seinen französischen Truppen bis 1815 weite Teile Europas
General Napoleon Bonaparte beherrschte mit seinen französischen Truppen bis 1815 weite Teile Europas
Deutschland war um 1789 noch kein Nationalstaat, sondern bestand als "Flickenteppich" aus zahlreichen Klein- und Mittelstaaten
Deutschland war um 1789 noch kein Nationalstaat, sondern bestand als "Flickenteppich" aus zahlreichen Klein- und Mittelstaaten
Karte Rheinbund, 1812
Karte Deutschlands (Rheinbund) 1812
Napoleon und die Völkerschlacht bei Leipzig
Napoleons Vorherrschaft endete nach seiner Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813

Napoleons Eroberungen

Seit 1792 befand sich das revolutionäre Frankreich im Krieg gegen mehrere europäische Großmächte, die die Revolution ablehnten [Koalitionskriege]. Frankreich – unter Führung von Napoleon Bonaparte – ging von einer anfänglichen Verteidigung zum Revolutionsexport nach Europa über. Die französische Armee konnte die linksrheinischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches annektieren. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Preußen besiegt. Napoleon und die französischen Truppen gewannen nun die Kontrolle über den deutschsprachigen Raum. Zahlreiche deutsche Staaten erklärten ihren Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich. Sie wurden Mitglied in Napoleons gegründeten Rheinbund.1

Territoriale Neuordnung

Der von Napoleon im Jahr 1803 eingeleitete Reichsdeputationshauptschluss führte zu einer veränderten politischen Landkarte im deutschsprachigen Raum. Die über 300 Klein- und Mittelstaaten wurden zu größeren staatlichen Einheiten zusammengelegt [Mediatisierung]. Geistliche Staaten verloren ihre Herrschaft und Besitztümer. Sie wurden den größeren Territorien einverleibt und säkularisiert. Napoleons „Flurbereinigung“ sollte vor allem die süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Baden vergrößern, um ein „Bollwerk“ gegen Österreich aufzubauen. Die territoriale Neuordnung ließ die Anzahl deutscher Staaten auf unter 40 schrumpfen.2

Reformen im Rheinbund

Dem von Napoleon 1806 gegründeten Rheinbund traten 16 deutsche Staaten bei. Das „Alte Reich“ wurde aufgelöst. Die Rheinbundstaaten verpflichteten sich Napoleon zu militärischem Beistand und wurden umfassend modernisiert. Napoleon wollte sie leistungsfähig machen, um ein Gegengewicht zu den Großmächten Preußen und Österreich aufzubauen. Er ließ die betroffenen Staaten zentralisieren und führte liberale Reformen – wie Rechtsgleichheit, Gewerbefreiheit, Zivilehe, öffentliche Gerichtsverfahren, Berufsbeamtentum und Abschaffung der Sonderrechte für den Adel – ein. Der von Napoleon eingeführte Code Civil schuf ein einheitliches Rechtssystem im Zivilrecht.3

Folgen

Napoleons Reformen in den Rheinbundstaaten veranlassten auch das geschwächte Preußen zu politischen Veränderungen. Die Preußischen Reformen leiteten eine staatliche Modernisierung ein. Napoleons Vorherrschaft in Europa wurde in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 beendet. Die Befreiungskriege gegen die französische Besatzungstruppen lösten im deutschsprachigen Raum ein deutsches Nationalbewusstsein aus. Auf dem Wiener Kongress 1814/15 einigten sich Europas Monarchen auf eine friedliche Neuordnung des Gleichgewichts. Durch die Restauration sollten die von Napoleon eingeleiteten Reformen wieder rückgängig gemacht werden. Napoleons Vorherrschaft hinterließ deutliche Spuren. Das Bildungsbürgertum wurde politisiert und forderte die Gründung eines deutschen Nationalstaates mit liberalen Grundrechten.

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

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