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Kapitel 4 von 6 · Deutsches Kaiserreich

Außenpolitik Wilhelm II.

Außenpolitik Wilhelm II.
Bild 1: Otto von Bismarck, Foto von Pilartz, Jacques (1890), Lizenz: Gemeinfrei

Der Amtsantritt Kaiser Wilhelms II. markierte einen Wendepunkt in der Außenpolitik des Deutschen Kaiserreichs. Während Bismarck stets um ein defensives Bündnissystem bemüht war, strebte Wilhelm II. für sein Reich einen „Platz an der Sonne“ an. Deutschland wurde schließlich von Frankreich, Großbritannien und Russland „eingekreist“ – ein Szenario, das Bismarck unbedingt verhindern wollte.

Otto von Bismarck
Otto von Bismarck
Wilhelm II. Kaiser
Kaiser Wilhelm II.

Bismarcks Außenpolitik

Nach der deutschen Reichsgründung 1871 ging Reichskanzler Otto von Bismarck davon aus, dass Frankreich das verlorene Gebiet Elsass-Lothringen zurückerobern wolle. Daher betrieb er eine Bündnispolitik, die Frankreich international isolieren sollte. Damit verhinderte er eine Annäherung zwischen Frankreich, Großbritannien und Russland. Bismarck erkannte die Gefahr eines möglichen Zweifrontenkrieges. Er schloss 1873 das Dreikaiserabkommen, 1879 den Zweibund, 1881 den Dreikaiserbund und 1887 einen geheimen Rückversicherungsvertrag. Das Deutsche Reich übernahm unter Bismarck eine Vermittlerrolle. Diese verkörperte er auf dem Berliner Kongress 1878, als er einen Ausgleich zwischen Österreich-Ungarn und Russland auf dem Balkan herbeiführte.1

Außenpolitik unter Wilhelm II.

Nach Amtsantritt Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1888 kam es zur außenpolitischen Wende. Er entließ Bismarck zwei Jahre später als Reichskanzler und betrieb eine Weltmachtpolitik. Wilhelm II. ließ den Rückversicherungsvertrag mit Russland im Jahr 1890 nicht verlängern. Im Jahr 1892 kam es zur Französisch-Russischen Militärkonvention. Mit den Flottengesetzen verschlechterten sich auch die Beziehungen zu Großbritannien. Infolgedessen geriet das Deutsche Reich in die Isolation. Frankreich und Großbritannien schlossen 1904 die Entente Cordiale. Sie wurde 1907 um Russland zur Triple Entente erweitert.2

Imperialismus, Flottenbau und Wettrüsten

Kaiser Wilhelm II. strebte für sein Reich einen „Platz an der Sonne“ an. In seiner Regierungszeit ging Deutschland zu einer aktiven Kolonialpolitik in Afrika über. Wilhelm II. unterstützte ein umfassendes Flottenbauprogramm. Von dieser Entwicklung fühlten sich die europäischen Großmächte zunehmend bedroht. Es begann ein enormer Rüstungswettlauf. Deutschland war nun „eingekreist“ und konnte sich lediglich auf das Bündnis mit Österreich-Ungarn verlassen. Hinzu kamen die Interessenkonflikte zwischen Österreich-Ungarn und Russland auf dem Balkan. Die aufgestaute Krisenstimmung entlud sich 1914 im Ausbruch des Ersten Weltkriegs.3

Von Fabio Schwabe, Mitgründer von Geschichte kompakt und Gymnasiallehrer für Geschichte. Die Quellen stehen in den Fußnoten.

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