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Lexikon · Restauration und Vormärz

Die Bedeutung Napoleons: Befreier oder Besatzer?

Napoleon Befreier Besatzer
Napoleon Befreier Besatzer
Zeit
19. Jhd.
Thema
Napoleonische Zeit

Napoleon Bonaparte spielte innerhalb der deutschen Geschichte eine wichtige Rolle. Infolge der Napoleonischen Kriege besetzte er mit der französischen Armee im frühen 19. Jahrhundert große Teile Europas. Die liberalen Ideen der Französischen Revolution erfassten auf diese Weise auch den deutschsprachigen Raum. Umstritten bleibt jedoch, ob Napoleon als „Befreier“ oder „Besatzer“ bezeichnet werden kann.

Napoleonische Kriege

Das frühe 19. Jahrhundert wurde geprägt von den Napoleonischen Kriegen und der französischen Vorherrschaft in Europa. Das heutige Deutschland existierte damals aber noch nicht als Nationalstaat. Auf Drängen Napoleons kam im Jahr 1803 der Reichsdeputationshauptschluss zustande. Die politische Landkarte Deutschlands wurde radikal umgestaltet, indem Napoleon die über 300 deutschen Territorien zu größeren staatlichen Einheiten zusammenfasste [Säkularisierung & Mediatisierung]. Ein Teil dieser Staaten trat 1806 in den von Napoleon gegründeten Rheinbund ein und musste ihn militärisch unterstützen. Die Napoleonische Vorherrschaft in Europa wurde infolge der Befreiungskriege gestürzt. Der Wiener Kongress von 1814/15 regelte eine friedliche Neuordnung Europas.1

Napoleon Bonaparte
Napoleon sorgte durch seine Reformen für einen politischen und wirtschaftlichen Modernisierungsschub in Europa. Für die einen galt er als Befreier, für andere aber auch als Besatzer
Karte Deutschlands um 1800
Um 1800 war Deutschland noch ein "Flickenteppich" aus zahlreichen kleineren Staaten. Napoleon schloss diese zu größeren Mittelstaaten zusammen
Napoleon vor dem Brandenburger Tor in Berlin
Preußens Niederlage gegen Napoleon (1806) veranlasste die Staatsführung zu umfassenden Reformen, die die Grundlagen für den modernen Staat legten

Napoleons Bedeutung für Deutschland

Napoleon Bonaparte sorgte für einen enormen Modernisierungsschub in Europa. Im deutschsprachigen Raum verbreiteten sich die Ideen der Freiheit, Gleichheit und Nation. Als Reaktion auf die französische Fremdherrschaft entwickelte sich gleichzeitig ein deutsches Nationalbewusstsein. Nach dem Sieg über Napoleon in den Befreiungskriegen forderten immer mehr Menschen die Gründung eines deutschen Einheitsstaates. Die deutsche Frage wurde zum zentralen Thema des 19. Jahrhunderts. Die deutsche Einheit erfolgte aber erst mit dem 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreich.2

Napoleon – Befreier oder Besatzer?

Für Historiker ist die Bedeutung Napoleons umstritten. Einerseits gilt er als „Befreier“ Europas, indem er die Ideen der Französischen Revolution verbreitete und somit die moderne Neuzeit einleitete. Die von Napoleon besetzten deutschen Territorien entwickelten sich infolge zahlreicher Reformen zu leistungsfähigen Staaten moderner Prägung. Auch Preußen entschied sich zu umfassenden Reformen. Die Schranken der Ständegesellschaft wurden gelockert, die soziale Mobilität stieg an. Mit dem Code civil erhielten die Staaten ein einheitliches Zivilrecht. Andererseits wird Napoleon als „Besatzer“ betrachtet, da er die Staaten wirtschaftlich ausbeutete und aus diesen Soldaten für weitere Eroberungskriege rekrutierte.3

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