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Lexikon · Kalter Krieg

Entstalinisierung

Entstalinisierung
Bild 1: Josef Stalin (1942), Lizenz: Gemeinfrei
Zeit
1956 – 1964
Thema
Kalter Krieg

Bei einer Geheimrede von Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU kam es 1956 in der Sowjetunion zu einer historischen Wende: der Entstalinisierung. Damit wurde der Personenkult um den verstorbenen Josef Stalin aufgegeben und neue Reformen eingeleitet. Dies hatte Umsturzversuche in den Ostblockstaaten zur Folge und stellte auch die DDR-Führung vor großen Herausforderungen.

Josef Stalin, Diktator der Sowjetunion
Josef Stalin war von 1927 bis 1953 Diktator der Sowjetunion. Bis zu seinem Tod war seine Herrschaft geprägt von einem universalen Personenkult
Nikita Chruschtschow leitete nach seiner Rede auf dem Parteitag der KPdSU (1956) die "Entstalinisierung" ein
Nikita Chruschtschow leitete nach seiner Rede auf dem Parteitag der KPdSU (1956) die "Entstalinisierung" ein

Ursachen

Die Inititiative zur „Entstalinisierung“ ergriff Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU am 25. Februar 1956, drei Jahre nach Stalins Tod. In einer abschließenden Geheimrede kritisierte dieser den Personenkult um den Diktator Stalin sowie dessen Terror und Säuberungen in der eigenen Partei. Stalins Politik hatte zudem die ersten Jahre des Kalten Krieges geprägt. Chruschtschow warf ihm Machtmissbrauch vor und setzte sich dafür ein, dass eine Regierung wieder kollektiv geführt werden müsse. Diese Rede wurde später an andere kommunistische Parteien der Ostblockstaaten vermittelt und leitete demzufolge eine folgenreiche Wende ein.1

Entstalinisierung

Die Entstalinisierung führte zu Lockerungen der Zensur in Kunst und Literatur. Erstmalig wurde die Ära des Stalinismus öffentlich kritisch aufgearbeitet. Geprägt wurde dieser Kurswechsel vom Begriff „Tauwetter“, der durch den von Ilja Ehrenburg erschienenen Roman an Popularität gewann. In den stalinistischen Gefangenenlagern konnte durch den eingeschlagenen Kurswechsel ein Großteil der Inhaftierten befreit werden. Infolge der Entstalinisierung wurden in den Ostblockstaaten sämtliche nach Stalin benannte Straßen und Plätze umbenannt und Denkmäler abmontiert. Nach Chruschtschows Absetzung vom Amt des KPdSU-Generalsekretärs 1964 kam die Zeit der Entstalinisierung zu ihrem Ende.2

Folgen

Die innenpolitischen Reformen der Entstalinisierung wirkten sich auch auf die mit der Sowjetunion verbündeten Ostblockstaaten aus. Dieser Kurswechsel stellte die SED in der DDR vor großen Herausforderungen, weil sich ihre Existenz auf den Personenkult Stalins stützte und der letzte „Volksaufstand“ vom 17. Juni 1953 gerade drei Jahre zurücklag. Eine Entstalinisierung fand daher in der DDR nur geringfügig statt. Dagegen ereigneten sich in Polen und Ungarn Aufstände, die eine politische Demokratisierung forderten. Chruschtschows Kritik am Stalinismus belastete schließlich das Verhältnis zum kommunistischen China und führte 1959 zum chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis.3

Verwandte Begriffe

Im Zusammenhang verstehen

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