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Lexikon · Deutsches Kaiserreich

Kaiserbrief

Ludwig II. Kaiserbrief
Ludwig II. Kaiserbrief
Zeit
1870
Thema
Deutsches Kaiserreich

Der sogenannte „Kaiserbrief“ war ein am 30. November 1870 vom bayerischen König Ludwig II. unterzeichnetes Schreiben an die deutschen Fürsten. Darin akzeptierte dieser die Ausrufung des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser eines geeinten Deutschen Kaiserreichs. Die Reichsgründung erfolgte am 18. Januar 1871. Damit war Deutschland nun ein Nationalstaat und die Deutsche Frage gelöst.

Vorgeschichte

In den Deutschen Einigungskriegen (1864-1871) hatte Preußen seinen militärischen und politischen Einfluss im deutschen Sprachraum ausgebreitet. Preußen annektierte nach dem Sieg im Deutschen Krieg gegen Österreich 1866 die nördlichen deutschen Staaten und gründete den Norddeutschen Bund. Im 1870 ausgebrochenen Deutsch-Französischen Krieg stellten sich neben den norddeutschen auch die süddeutschen Staaten Bayern, Baden und Württemberg auf die Seite Preußens. Im November 1870 schien die Gründung eines deutschen Nationalstaates zum greifen nahe.1

Bismarck, Reichskanzler
Im Kaiserbrief versuchte Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck den bayerischen König Ludwig II. zu überreden, die Rangerhöhung von Preußens König zum Kaiser zu akzeptieren
Ludwig II. von Bayern
Ludwig II., bayerischer König von 1864 bis 1886
Wilhelm I. von Preußen
Nach der Reichsgründung (1871) wurde Preußens König Wilhelm I. zum Kaiser des Deutschen Reiches ausgerufen. Er verkörperte seitdem das ranghöchste Staatsoberhaupt

Kaiserbrief an Ludwig II.

Im November 1870 verhandelte Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck mit den süddeutschen Staaten über den Beitritt zum Norddeutschen Bund . Am 27. November 1870 sendete Bismarck dem bayerischen König Ludwig II. den sogenannten Kaiserbrief zu. Darin versuchte er ihn zu überreden, die Rangerhöhung des preußischen Königs Wilhelm I. zum „Deutschen Kaiser“ zu akzeptieren. Bismarck sicherte den Bayern zudem einige Zugeständnisse zu. Sie durften weiterhin über eigene Eisenbahnen, Militärs sowie Post- und Fernmeldewesen verfügen. Darüber hinaus erhielt Ludwig II. Geldzahlungen in Höhe von ca. sechs Millionen Goldmark. Ludwig II. unterzeichnete den „Kaiserbrief“ am 30. November 1870 und schickte ihn weiter zu den deutschen Fürsten.2

Folgen

Im Kaiserbrief akzeptierte Ludwig II. die Rangerhöhung des preußischen Königs Wilhelm I. zum Kaiser eines Deutschen Reiches. Er musste sich damit abfinden, dass er keine politische Rolle im geeinten deutschen Nationalstaat mehr spielen werde. Für Bayern konnte er dennoch einige Sonderrechte sichern. Wenige Wochen später, am 18. Januar 1871, riefen im Spiegelsaal von Versailles die deutschen Fürsten und Militärs das Deutsche Kaiserreich aus.3

Verwandte Begriffe

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